Der Lebenslauf von Dr. Jürgen Todenhöfer

Munzinger Beschreibung (gekürzte Fassung)

Dr.jur. Jürgen Todenhöfer, deutscher Verlagsmanager und früherer Politiker (CDU)

Geburtsort: Offenburg/Baden

Geburtsdatum: 12. November 1940

Herkunft:  Jürgen Gerhard Todenhöfer wurde am 12. November 1940 in Offenburg/Baden als Sohn eines Amtsrichters geboren. Der Vater war später Senatspräsident am Oberlandesgericht Karlsruhe, Zivilsenat Freiburg.

Ausbildung: T. besuchte die Grimmelshausen-Schule in Renchen, das Schillergymnasium in Offenburg sowie das Rotteckgymnasium in Freiburg und machte 1959 Abitur. Anschließend studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten München, Paris, Bonn und Freiburg. Die beiden juristischen Staatsexamen legte er 1964 und 1967 ab. Im Juli 1969 promovierte er an der Universität Freiburg zum Dr. jur..

Karriere: Im Jan. 1970 trat T. in die CDU ein und wurde vier Wochen später persönlicher Referent des CDU-Generalsekretärs Bruno Heck in Bonn (bis Dez. 1971). Im Juli 1972 wechselte er von der Universität Freiburg, wo er als wissenschaftlicher Assistent tätig gewesen war, als Richter an die Strafkammer des Landgerichts Kaiserslautern.

Im Nov. 1972 kam T. über die CDU-Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag, dem er bis 1990 ununterbrochen angehörte (seit 1980 als Abgeordneter des Wahlkreises Tübingen). Bis Dez. 1980 war T. in Bonn Sprecher der Opposition in Fragen der Entwicklungshilfe. Ende Aug./Anfang Sept. 1973 besuchte er die damalige portugiesische Kolonie Moçambique, um Presseberichten über das Massaker von Williamo nachzugehen.

In die Schlagzeilen brachte T. eine Reise nach Südamerika im Frühjahr 1975, wo er u. a. neben Eduardo Frei und Patricio Aylwin dem chilenischen Diktator Augusto Pinochet einen Besuch abstattete. T. setzte sich dort mit Erfolg für die Freilassung von 4.500 politischen Häftlingen ein. Aufsehen erregte T. ferner im Aug. 1980, als er mit einem Fotoreporter und einer Gruppe afghanischer Freiheitskämpfer von Pakistan aus in das von der damaligen Sowjetunion besetzte Afghanistan reiste. Leonid Breschnews Regierungssprecher Leonid Samjatin erklärte daraufhin öffentlich, wenn man T. ergreife, werde man ihn "auspeitschen und erschießen".

Während der Zeit T.s als entwicklungspolitischer Sprecher mussten drei sozialdemokratische Entwicklungsminister zurücktreten.
    
Eine neue Aufgabe fand T. 1981 als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und Obmann der CDU-Fraktion im Unterausschuss für Abrüstung und Rüstungskontrolle. Auch als abrüstungspolitischer Sprecher seiner Fraktion sorgte T. mit verschiedenen Vorstößen für Aufsehen. So plädierte er im März 1982 für einen Abbau der sowjetischen und amerikanischen Interkontinentalraketen um die Hälfte, um mit diesem "historischen Schritt" ein Signal für den beiderseitigen Abrüstungswillen zu setzen (ab 1987 realisiert). Zwei weitere Reisen zu den afghanischen Freiheitskämpfern, Anfang und Ende 1984, nutzte er zu einer scharfen Kritik an der "Gleichgültigkeit der Weltöffentlichkeit gegenüber dem Schicksal Afghanistans".
1984 legte T. als erster CDU-Abgeordneter seine gesamten Einkommensverhältnisse offen.

T. setzte sich seit Beginn der 80er Jahre, als seiner Einschätzung nach nur noch wenige Politiker an die deutsche Wiedervereinigung glaubten, mit wachsendem Nachdruck öffentlich für eine aktivere Wiedervereinigungspolitik der Bundesregierung ein (vgl. öffentliches Schreiben an CDU-Generalsekretär Heiner Geißler vom 15. März 1988). Darüber hinaus forderte er immer wieder ein "soziales Pflichtjahr" für Mädchen zur Bewältigung der sozialen Probleme und der Umweltprobleme des Landes.

Beruflich übernahm T. im Febr. 1987 bei der zur Burda-Gruppe gehörenden PAN-TV den Geschäftsbereich Medienpolitik und Unternehmensrecht. Zum Jahresende 1987 übertrug man ihm in der Burda GmbH die Verantwortung für die Bereiche Unternehmenspolitik, Personal- und Sozialwesen, Organisation, Revision, Recht, Beteiligungen und Neue Medien. Er wurde zudem stellv. Vorsitzender der Geschäftsführung der Burda GmbH. Kurz zuvor hatte T. seine Ämter als abrüstungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion und als Obman im Unterausschuss für Abrüstung und Rüstungskontrolle niedergelegt. Im Aug. 1989 gab T. dann bekannt, bei der Bundestagswahl 1990 nicht mehr kandidieren zu wollen.

Beim Burda-Medienkonzern Offenburg/München wurde T. 1990 (zusätzlich zu seiner Funktion als stellv. Vorsitzender der Burda GmbH-Geschäftsführung) stellv. Vorsitzender der Dachgesellschaft Dr. Hubert Burda Holding GmbH & Co. KG, Offenburg, und erhielt mit Wirkung zum 1. Jan. 1995 (zusätzlich zu den Aufgabenfeldern Unternehmenspolitik, Personal, EDV und Revision) den Finanzbereich der Burda Holding.

Im Aug. 1996 wurde T. als Nachfolger des bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Burda-Vorstandsmitglieds Gerd Boll auch für das Ressort Verlage zuständig (außer Focus). Im Nov. 1998 gab er den Vorstandsbereich Druck an den Geschäftsführer des Profitcenters Dienstleistungen im Burda-Konzern ab und blieb als stellv. Vorstandsvorsitzender weiter für Verlage, Finanzen und Verwaltung zuständig. Er hatte in diesen Funktionen maßgeblichen Anteil am unternehmerischen Erfolg der Hubert Burda Media GmbH sowohl im Stamm- als auch im Internetgeschäft.

Öffentlich Gehör verschaffte sich T. im Zusammenhang mit dem drohenden Krieg der Amerikaner gegen den Irak. T. kritisierte u. a. in der Süddeutschen Zeitung (11.2.2002) den "Umgang mit der Wahrheit im Antiterrorkrieg" der USA und erläuterte in einem SPIEGEL ONLINE-Interview vom 24. Jan. 2003 die Irrtümer "des Kreuzzugs gegen den Terror", die er auch in seinem Buch "Wer weint schon um Abdul und Tanaya?" beschrieb.

Werke: Veröffentlichungen u. a.: "Wachstum für alle" (76), "Ich denke deutsch. Kursbuch eines Konservativen" (89), "Wer weint schon um Abdul und Tanya? - Die Irrtümer des Kreuzzugs gegen den Terror" (03).
2005 (MA-Journal) - Jürgen Todenhöfer: "Andy und Marwa. Zwei Kinder und der Krieg". 2005.

Quelle: Munzinger-Archiv/Internationales Biographisches Archiv - Personen aktuell 15/03 (lö)
Stand der Ergänzungen: 26. Juni 2007