Auf der Suche nach der Wahrheit
Mangelnder Respekt vor der Macht, sein kindlicher Glaube an Gerechtigkeit und sein wahrscheinlich genauso naives Bedürfnis, immer die Wahrheit zu erfahren – notfalls auch in Krisengebieten –, haben Jürgen Todenhöfer sein ganzes Leben lang begleitet.
Als zwanzigjähriger Student bereiste er 1960 während des Algerienkrieges das von Frankreich besetzte maghrebinische Land. In Algier wohnte er bei einer arabischen Familie und bekam jeden Abend ab Eintritt der Dunkelheit die Angst der Menschen vor dem Krieg und vor den Anschlägen der französischen Untergrundbewegung OAS mit, die mit terroristischen Methoden für den Verbleib Algeriens bei Frankreich kämpfte.
Ein Jahr später, Ende Juli 1961, war Todenhöfer während der „Krise von Bizerta“ in der gleichnamigen tunesischen Stadt. Sie war damals ein französischer Militärstützpunkt, der im Algerienkrieg eine bedeutsame Rolle spielte und dessen Freigabe Tunesien seit seiner Unabhängigkeit 1956 vergeblich gefordert hatte. Als 1961 tunesische Truppen den Stützpunkt blockierten, bombardierte die französische Luftwaffe die Stadt. Nach heftigen Kämpfen, bei denen das französische Militär auf unbewaffnete tunesische Demonstranten schoss, wurde die gesamte Zivilbevölkerung aus der Stadt evakuiert. Rund 670 Tunesier waren getötet, 1500 verletzt worden.
Viele Jahre später, 1980, marschierte Jürgen Todenhöfer als Abgeordneter des Deutschen Bundestages zusammen mit afghanischen Freiheitskämpfern zu Fuß von Pakistan über die Berge des Hindukusch nach Afghanistan. Das Land war ein halbes Jahr zuvor von sowjetischen Truppen überfallen worden. Er wollte sich ein Bild von der Lage der Menschen und des Widerstands der afghanischen Freiheitskämpfer machen.
1984 und 1989 war er noch mal in dem geschundenen Land. Durch seine Berichte über das Elend der Afghanen konnte Todenhöfer zusammen mit dem Verein für Afghanistan-Förderung umgerechnet 10 Millionen Euro für afghanische Flüchtlinge, vor allem für Flüchtlingskinder, sammeln.
1989 gelang es ihm, eine Sitzung der afghanischen Exilregierung in Urgun, einem kleinen Dorf hoch in den Bergen auf der afghanischen Seite des Hindukusch, zu initiieren. Mit Jeeps, auf Eseln und zu Fuß mussten sie sich durch zerklüftete Schluchten und reißende Gebirgsbäche zu dem winzigen Dorf durchschlagen.
Den Irak hat Todenhöfer vor seiner jüngsten Reise dreimal besucht. Zweimal vor dem Krieg und ein Jahr nach dem Krieg. Er hat diese Reisen in den Büchern „Wer weint schon um Abdul und Tanaya?“ und „Andy und Marwa“ beschrieben.
Zweimal war Todenhöfer in den vergangenen beiden Jahren auch im heftig umstrittenen Iran.
Dreimal hat er Israel besucht, „eines der schönsten und spannendsten Länder“ wie er selber sagt. Er war in Tel Aviv und Jerusalem und verbrachte mehrere Stunden in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Im Garten Gethsemane, den der spanische Franziskanermönch Rafael nachmittags immer für ihn aufschloss, las er im Schatten uralter Olivenbäume das Alte Testament zu Ende und schrieb Teile dieses Buches.






















